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Verbrannte Erde (Thriller) – Rezension

Heute lief der zweite Teil von Thomas Arslans Trilogie als TV-Premiere auf ARTE. Verbrannte Erde mit Misel Maticevic (55 Jahre) in der Hauptrolle. Der erste Teile erschien bereits 2010 als „Im Schatten“. Für den dritten Thriller gibt es noch keinen bekannten Termin.

Die Fernsehzeitung ist aufgeschlagen und bietet für 21.55 Uhr im starren TV-Programm einen neuen Film an. Verbrannte Erde wird dort folgendermaßen beschrieben: „Zurück in Berlin erhält Verbrecher Trojan einen heiklen Auftrag: Mit einem vierköpfigen Team soll er ein Gemälde von Caspar David Friedrich stehlen. Doch der Coup geht schief.“ Eine deutsche Filmproduktion von 2024, 100 Minuten Spielzeit und in weiteren unter anderem Rollen Marie Leuenberger sowie Alexander Fehling. Freigegeben als FSK 12. TV Hören und Sehen urteilt „Ruhig inszeniert, düster & tiefgründig.“ Spannungspunkte drei von maximal dreien. Humor null, Action einer und Gefühl ebenfalls einer. Mit drei Sternchen urteilt die Zeitung „großartig“.

Ganz klar erinnert der Film von Beginn an an ein Film noir. Treffend bereits forciert spielt er überwiegend nachts, verzichtet auf unnötig ausschweifende Dialoge und zeigt ein anonymes Berlin ohne Publikum. Neben den wenigen Darstellern gibt es kaum mehr Menschen zu sehen. Es bleibt dunkel mit ruhiger Kameraführung. Ein Film der alten Schule mit Perspektiven, die sich auf das Nötigste beschränken. Wäre er nicht neu, wäre es ein heute ein Klassiker. Teil eins ist keine Voraussetzung. Es ist ein in sich abgeschlossener Plot, der ohne Vorwissen konsumiert werden kann. Ein Konsum der heutzutage besonderen Sorte. Während sonst die Kamera hektisch umherschweift, Actionszenen meist unnötig in die Länge gezogen werden und Schusswechsel zum Höhepunkt gehören, ist es hier das Gesamtwerk, das den Zuschauer in den Bann zieht. Aaußen vor ist bei diesem Gangsterdrama die Polizei. Es gibt keine wilden Verfolgungsjagden mit der Justiz. Man bekommt ebenfalls zu keinem Zeitpunkt das Gefühl vermittelt, dass jetzt jemand von der Exekutive eingreifen könnte. Einzig die Unterwelt selbst, bleibt der spannende Punkt. Sympathie mit den Verbrechern? Fast schon hoffungsvoll erwartend sehnt man sich am Ende nach einer Liebesszene. Oder doch nicht? Das wäre zu viel des Kitsch, der hier nicht vorkommt, nein, nicht vorkommen darf und dem Film ein würdevolles und äußerst befriedigendes Ende gibt. Es bleiben keine Fragen offen, selten habe ich einen solch überzeugendes Ende gesehen.

Fazit

Verbrannte Erde lebt von Mišel Matičević in der Hauptrolle und seinen Nebendarstellern. Ein Gangsterfilm der alten Schule. Zunächst im Kino (18.07.2024) jetzt im späten Fernsehprogramm. Wie in früheren Zeiten, verzichtet Drehbuchautor und Regisseur Thomas Arslan auf den digitalen Wahnsinn der heutigen Zeit und zeichnet einen alternden nahezu Helden, der versucht dem zu entgehen, was heute im Übermaß vorhanden ist. Hektik, Stress und das Streben immer Größer zu werden. Es zieht, wirkt und wirkt nach. Gespielt in einem fast schon dystopischen Berlin oder Wiedererkennungswert. Für mich ein Highlight im noch neuen Fernsehjahr 2026. Man darf gespannt sein, inwieweit ein dritter Teil hier irgendwann anknüpfen kann. Und ja, auch ohne Teil eins (Im Schatten) gesehen zu haben, Prädikat besonders sehenswert. Wenn, ja wenn man darauf steht.

Kompletter Film

https://www.arte.tv/de/videos/110256-000-A/verbrannte-erde (Verfügbar bis zum 10.03.2026)

DVD

Amazon.de

Trailer

Credits

Titel: Verbrannte Erde
Schauspieler*In: Mišel Matičević, Marie Leuenberger, Alexander Fehling, Tim Seyfi, Marie-Lou Sellem, Katrin Röver, Bilge Bingül
Regie: Thomas Arslan
Drehbuch: Thomas Arslan
Bildgestaltung: Reinhold Vorschneider
Montage: Reinaldo Pinto Almeida
Szenenbild: Reinhild Blaschke
Kostümbild: Anette Guther
Maskenbild: Nina Düffort
Regieassistenz: Lukas Hofmann
Aufnahmeleitung: Matthias Ruppelt
Casting: Ulrike Müller
Originalton: Andreas Mücke-Niesytka
Sound Design: Jochen Jezussek
Mischung: Tormod Ringnes
Musik: Ola Fløttum
Redaktion: Andrea Hanke, Uta Cappel
Produzenten: Florian Koerner von Gustorf, Michael Weber, Anton Kaiser
Eine SCHRAMM FILM Koerner Weber Kaiser Produktion in Koproduktion mit WDR und ARTE Produktion gefördert durch Medienboard Berlin-Brandenburg, BKM, DFFF und FFA
Weltvertrieb: The Match Factory

Weitere Filmrezension Gold: Ein deutscher Spätwestern von Thomas Arslan.

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