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Hyperkin RetroN 3 2.4 GHz Edition – Review

Nach den Unboxing-Fotos folgt jetzt ein ausführlicherer Testbericht über die schon etwas in die Jahre gekommene RetroN 3 2.4 GHz Edition.

Klon-Konsole

Hyperkin stammt aus Los Angeles, USA und hat sich auf Nachbaukonsolen spezialisiert. Diese sind dem Ruf her nach nicht immer in bester Qualität, funktionieren aber soweit. Das RetroN 3 ist bereits seit über zehn Jahren (2011) auf dem Markt, wurde und wird aber immer wieder neu aufgelegt. Erst im Februar 2020 erschien die RetroN 3 HD Edition, die wie der Name schon vermuten lässt, einen HDMI-Ausgang hat und optisch ein wenig aufgewertet wurde. Denn das RetroN 3 in der „alten“ Edition gilt allgemein als „hässlich“.

Die ersten Modelle der RetroN 3 wurden mit kabellosen Controllern ausgeliefert die mit Infrarotlicht funktionierten. Das hat den Nachteil, dass man immer Sichtkontakt zur Konsole benötigt, wie eben bei einer Fernbedienung für den Fernseher. Einige Jahre später, so 2015, brachte Hyperkin dann das „2.4 GHz“-Modell heraus, das auf RF (Radio Frequency ) basiert. Die Gamepads sind also weiterhin kabellos, werden aber jetzt durch elektromagnetischen Funkwellen betrieben. Somit muss die Spielekonsole nicht immer in sichtbarer Nähe der Controller stehen.

3 in 1

RetroN 3, die 3 steht für 3 Konsolen, spielt SNES, NES und Genesis Module ab. Mein Modell ist tatsächlich von 2017 und ich habe es als „neu“ erworben, war also noch komplett ungenutzt und original verpackt. Allerdings ist diese Version, im Gegensatz zu RetroN 3 HD, für NTSC-Module ausgelegt und offiziell nicht mit allen PAL-Spielen kompatibel. Jedoch sei gesagt, dass die meisten PAL-Module ebenfalls funktionieren. Mein Kaufgrund war ehrlich gesagt die Kickstarter-Kampagne von Insane Pain und das verpasste Schnäppchen der Mega RetroN HD.

RetroN 3 vorgestellt

Ja, die Konsole riecht streng. Meine Stand wohl zum Glück so lange schon im Schrank, dass sich der Geruch ein wenig verflüchtigt hat. Zudem verflüchtigt sich der Plastikgeruch nach wenig Tagen. Einmal die Konsole durchlüften, fertig. Entgegen der allgemeinen Meinung, dass diese Konsole nicht sehr hübsch aussieht, finde ich sie gar nicht so schrecklich. Ehrlich gesagt gefällt sie mir fast, zumindest in der mir vorliegenden schwarzen Edition. Die Spielkonsole hat vier Standfüße die mit weichen und glatten Filzgleitern bedeckt sind. Das ist in der Tat etwas kurios und ich frage mich, wie lange die wohl dran bleiben. Dadurch hat die wirklich sehr leichte Konsole aber einen guten Stand. Ansonsten wirkt alles tatsächlich ziemlich billig. Beim Drehschalter für die Einstellung der jeweiligen Konsole bzw. Module hat man Angst, dass dieser irgendwann einmal abbricht. Zudem ist er bei mir schief angebracht, sodass der Punkt nicht wirklich mit der angegebenen Einstellung übereinstimmt – kurz gesagt, er ist schief. Das ändert natürlich nichts an der Funktionstüchtigkeit der RetroN 3. Die Konsole besitzt zudem je zwei Controller-Ports für NES, SNES und Genesis (Mega Drive) Controller. Es können also die original Controller von damals verwendet werden. Beiliegend sind zwei RF-Controller, die jeweils zwei AAA-Batterien benötigen. Auch diese sind ultraleicht und wirken billig. Die Buttons sind weit abstehend, es gibt sechs an der Zahl, dem Mega Drive-Controller angelehnt, und keine Schulterknöpfe. Das ist gerade für SNES-Spiele sehr schade, da zudem die Buttonbelegung nicht geändert werden kann und die L- und R-Taste dann einfach mal auf Z und C liegt. Das gibt einiges Handgefriemel im Gefecht und ist gerade für Mario Kart oder F-Zero sehr unpassend. Hinzu kommt noch ein Select/Mode und Start/Reset-Knopf. Oberhalb befinden sich zwei kleine LEDs, die grün aufleuchten, wenn man einen Button drückt. Auch diese sind bei mir schief angebracht. Übrigens: Selbst mit Batterien ist der Controller einfach richtig leicht und wiegt … nichts.

US? EU?

Das mitgelieferte Netzteil ist ein US-Modell. Wichtig: Immer die auf dem AC-Adapter angegebenen Spannungen beachten! Ich hatte Glück, denn meins hat einen Input von 100V-240V – 50-60MHz (0.4A) sowie einen Output von +9.0V :- 1.0A. Das bedeutet im Klartext, das ein einfacher Adapter von US auf EU ohne Spannungsumwandlung ausreichend ist. Der Unterschied ist, dass amerikanische Steckdosen nur 110 bis 120 Volt haben mit 60 Hz, wir hierzulande aber 230 bis 240 Volt bei 50 Hz. Bei den ersten Modellen von RetroN 3 sind nur US-Netzteile mitgeliefert worden. Hier hätte man sich dann ein passendes EU-Netzteil mit der gleichen Spannung suchen müssen oder eben einen recht teuren Umwandler. Übrigens soll die Kompatibilität mit PAL-Spielen bei den neueren Modellen besser sein als bei der ersten Version. Kurz gesagt: Glück gehabt und ein „gutes“ Modell erwischt. Einen einfacher Adapter bekommt man für wenige Euros im Internet. Doch auch hier: Ich hatte mir tatsächlich für kann über 2 Euro einen bestellt (inkl. Versand), den ich am Ende erst einmal noch selbst auseinander und wieder zusammenbauen musste, da die Kontakte schief waren. Meine Befürchtung, dass die Konsole oder das Netzteil defekt ist, bewahrheitetet sich zum Glück nicht – es lag an dem billigen US-EU-Adapter, der danach aber einwandfrei funktioniert.

Spielen mit Modulen

Die Konsole wird über einen großen POWER-Knopf eingeschaltet, dieser muss komplett eingedrückt werden und in der Position verharren. Daneben gibt es noch einen RESET-Knopf zum Neustarten, das war es. Hinten sind Cinch-Ausgänge für Composite-Videoverbindungen (gelb) mit Audiosteckern (rot und weiß) sowie ein „S/WTO“ (wofür steht das WTO?) Ausgang für S-Video (funktioniert nicht bei NES-Spielen, alle Kabel sind im Lieferumfang enthalten). Hinzu kommt ein Schalter „O/J“ (Overseas/Japan), mit dem Mega Drive-Module für japanische Spiele umgestellt werden können. Und natürlich „DC IN“ für das Netzteil.

Über das Drehrad vorne mittig wird der jeweilige Modulschacht eingestellt. Diese sind von vorne nach hinten: SNES, Genesis / Mega Drive, NES. Warum auch immer sind die Modulschächte nicht beschriftet. In den Schacht für Super Nintendo-Spiele passen sowohl NTSC- als auch PAL-Module rein. Alles ist aber etwas eng bemessen, was bedeutet, dass die Module nur mit einem Knarzen eingesteckt werden können – und zwar so, dass man Angst hat, die Konsole fliegt gleich auseinander. Über eine kleine rote Lampe wird angezeigt, welches Modul gerade angesprochen wird. Läuft das jeweilige Modul, geht alles ganz schnell. Ohne Ladezeiten wird das Spiel sofort gestartet. Für Mega Drive-Spiele soll ein TCT-6801 Chip zum Einsatz kommen, NES basiert auf dem RetroN 1 und SNES auf dem C2. Im Gegensatz zur RetroN 5, wo die Spiele per Software emuliert werden (hier gab es auch Lizenzprobleme, da Hyperkin die nicht-kommerziellen Genesis Plus GX and SNES9x Next Emulatoren verwendete), sollen im RetroN 3 die Spiele noch per Hardware Emulation laufen. Also ist es eine Klon-Konsole.

Da ich an meiner kleinen Röhre (14″) spiele, ist das Bild darauf für mich definitiv in Ordnung. Aus diesem Grund reichen mir auch die beiden Ausgänge per Cinch-Kabel und S-Video vollkommen aus. Angeschlossen per Scart-Adapter gibt dies noch ein etwas besseres Bild und vor allem Ton, da meine kleine Röhre nur einen Audioeingang besitzt. Ebenfalls die mitgelieferten Controller funktionieren soweit gut. Input-Lags oder ähnliches konnte ich bis dato nicht feststellen.

Fazit

RetroN 3 in der 2.4 GHz Edition von Hyperkin (2017er Version) ist eine billige, aber gute, Nachbaukonsole. Durch den HD-Nachfolger wird diese Variante nicht mehr hergestellt und ist nur noch gebraucht, oder mit etwas Glück auch neu, erhältlich. Für meine habe ich via Kleinanzeigen knapp 40 Euro bezahlt und bin bisher sehr zufrieden. Die tatsächlich etwas billig wirkende Aufmachung stört mich nicht und auch das Design finde ich persönlich irgendwie … cool. Die Klon-Konsole ist recht kompakt und die mitgelieferten (ebenfalls etwas billig wirkenden) Controller verrichten ihre Dienste bisher einwandfrei. Da ich ein paar Hombrew- und Retro-Spiele an meinem kleinen Röhrenfernseher für kleines Geld spielen wollte, ohne mehrere Konsolen hinstellen zu müssen und um Platz zu sparen, reicht mir diese Variante mit Cinch-Kabeln völlig aus. Sydney Hunter and the Caverns of Death in der NTSC-Version und zum Beispiel F-Zero als PAL-Modul laufen einwandfrei. Retro-Röhren-Spieler-Herz was willst du mehr?

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