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Marvel Now Avengers Paperback 9: Die Zeit läuft ab – Rezension

Dieses Paperback vereinigt mit den deutschen Ausgaben der US-Heftnummern Avengers 43-44 und New Avengers 31-33 die letzten von Jonathan Hickman geschriebenen Geschichten der Avengers. Zum Inhalt sei so viel gesagt, dass der Hauptfaden der „Inkursion“ beendet wird. Mit Inkursion im Sinne von Autor Hickmann ist das Aufeinandertreffen zweier Erden aus verschiedenen Realitäten, bei der eine der beiden Erden zwangsläufig das Zeitliche segnet, gemeint. So sehen die Helden unserer Marvel Erde – 616 ihrem vermeintlichen Ende in Form der sich immer näher kommenden Erde – 1610 aus dem Ulimativen Universum entgegen. Um dieses apokalyptische Szenario sind zahlreiche weitere, verworrene und mäandernde Handlungsfäden um diverse Helden und Schurken eingewebt, bei denen schon ein kurzer Handlungsanriss wohl sämtlichen Rahmen hier sprengen würde.

Sicher war ich nicht der einzige, der sich in der Vergangenheit beim Lesen dieses ausufernden Werks gefragt hat, wie die vielen Handlungsfäden zu einem stimmigen Ende gebracht werden könnten. Nun ist – banal ausgedrückt – die Katze aus dem Sack: die insgesamt -77- Einzelnummern waren ein langgezogener Prolog zu neuen Events mit den Titeln Secret Wars und Battleworld Civil War. Serien haben eben ihre eigenen Gesetze, unter anderem: es geht immer weiter! Die Frage, ob sich der lange Weg dahin wirklich gelohnt hat, muss jeder für sich beantworten. Für mich gesprochen muss ich allerdings sagen, dass ich meine Zweifel habe, dieses zu bejahen. Zu viele aufgeworfene Fragen sind unbeantwortet geblieben, bzw. im Nirwana der verschachtelten Handlung untergegangen oder wurden durch neu aufkommende Fragen ersetzt. Am Ende hatte ich das Gefühl, dass ich statt eines großen Mosaikbildes einen Flickenteppich vor mir hatte.

Wer geradlinige, sich selbst erklärende Handlungen mag, dem sei diese Serie nicht empfohlen. Interessant ist sie für jene, die arg verschachtelte Erzählungen lieben, bei denen einem stets die Ungewissheit, die Zusammenhänge nicht wirklich verstanden zu haben, im Nacken sitzt. Wer dazu das Vokabular eines Philosophen und Astrophysikers beherrscht, ist bei Hickmans Avengers dann genau richtig. Ich muss eingestehen, dass ich hinsichtlich der Verständlichkeit und auch der Logik meine Probleme hatte. Andererseits bin ich mir jedoch auch sicher, dass einfach gestrickte Geschichten wie zu den Anfangstagen der Ruhmreichen Rächer anno Stan Lee in aktuellen Serien wohl kaum mehr jemanden hinter dem Ofen hervorlocken würden. Daher wäre vielleicht ein gesunder Mittelweg am besten gewesen: eine zeitlich und handlungstechnisch verschachtelte Handlung, die jedoch nachvollziehbar und selbsterklärend ist, authentische – und nicht allmächtige! – Schurken und Helden, etwas Soap mit Beziehungskisten und ein paar knackige Balgereien zwischen Gut und Böse. Mehr verlangt der Leser ja nicht, schließlich lesen wir Marvelcomics und nicht Tolstoi …

Fazit: Wie der Titel dieses Paperbacks verrät, läuft nicht nur für die Erde – 616, sondern auch für Jonathan Hickman die Zeit ab. Nach der Miniserie Battleworld Civil War und Secret Wars werden die Avengers unter Autor Mark Waid neu definiert. Vielleicht werden unter ihm meine Hoffnungen einer rundum gelungenen Rächerserie dann ja erfüllt.

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